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Milchviehhaltung mit Köpfchen bei Familie Ochse in Nordhessen

Tag der offenen Tür am 30. Juli 2017 auf dem Betrieb Ochse

Am Sonntag, dem 30. Juli 2017, stellte Familie Ochse in Frankenberg-Dörnholzhausen ihren neuen Kuhstall vor. Besonderen Wert hat Familie Ochse auf Tierkomfort und auf Arbeitseffizienz gelegt. Viele Arbeiten sind automatisiert und werden von Maschinen erledigt. So konnte der Besucher drei Melkroboter sowie eine automatische Fütterung bei der Arbeit sehen. Viele Firmen informierten an diesem Tag außerdem über ihre Produkte und Dienstleistungen. Auch wir nahmen an der Veranstaltung mit einem Infostand teil. Nachfolgend ein Bericht der Publikation HESSENBAUER:

Warum baut man heute einen neuen Milchviehstall? Die Antwort lautet in der Regel, um den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Doch was bedeutet zukunftsfähig? Einfach nur mehr Milch melken reicht hier als Erklärung nicht aus. Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb die Zeit, Mühen und finanziellen Mittel in die Hand nimmt, um solch ein großes Bauvorhaben umzusetzen, muss mehr als das reine Betriebswachstum beachtet werden, um später erfolgreich zu sein.

Ein großer und häufig unterschätzter Faktor ist die zur Verfügung stehende Arbeitskraft. Ein bestehender Betrieb hat eine bestimmte Kapazität an Arbeitskraft. Mit dieser soll später auch der gewachsene Betrieb bewirtschaftet werden können. Die Arbeitseffizienz muss mit dem Stallneubau also steigen, ohne dass darunter am Kuhkomfort und an der Tiergesundheit gespart wird. Und gerade diesen so wichtigen Aspekt hat Familie Ochse im neuen Kuhstall umgesetzt.

Im neuen Stall wurde vieles automatisiert

Wichtig war der Familie die Betreuung des Projektes durch einen im Agrarbereich sehr erfahrenen Partner, der die Bearbeitung des gesamten Baurechtsverfahrens sowie erforderlicher Fachgutachten, also die gesamte Planungsbetreuung, durchführen konnte. Die Entscheidung fiel daher auf das Billigen Ingenieur- und Planungsbüro, das seit 20 Jahren als Agrar-Ingenieurbüro in ganz Deutschland aktiv ist und für den neuen Kuhstall der Familie Ochse für alle Bereiche vom Entwurf bis hin zur Fertigstellung verantwortlich war. Die Beleuchtung, die LED-Beleuchtung Lufolight, wurde in diesem Fall von der Kurzenknabe GmbH übernommen. Im neuen Stall wurde auf einen hohen Automatisierungsgrad und ein hohes Maß an Tierwohl gesetzt, die Familie sammelte viele Ideen und Erfahrungen von Berufskollegen und entwickelte damit ein maßgeschneidertes Konzept. Das Ergebnis ist ein ausgeklügeltes Stallsystem, das auf den ersten Blick vielleicht etwas ausgefallen wirkt, für die tägliche Arbeit aber absolut effizient ist, ohne Abstriche im Tierwohl zu machen.

Kleine, gut überschaubare Bereiche für Transit-Kühe

Die Stallbereiche für die anspruchsvollen und betreuungsintensiven Tiere rund um den Transit-Zeitraum wurden großzügig bemessen, dabei aber in kleine, gut überschaubare Bereiche unterteilt und sinnvolle technische Installationen zur Erleichterung der Arbeiten integriert. Als hochtragende Färse betritt ein Tier den Kuhstall und durchläuft im Laufe der Laktation alle Stationen innerhalb des Stallgebäudes solange, bis das Tier die Herde für den Verkauf oder als Abgang verlässt.

Das Gebäude wurde als Liegeboxenlaufstall mit außenliegenden Futtertischen mit Fressgittern konzipiert. In der Längsachse am Stallende befindet sich auf fast einem Drittel der Stalllänge der Zweiraumlaufstallbereich für die Trockensteher und die Abkalbeboxen. Danach folgt der große Liegeboxenbereich für die laktierenden Tiere. Hier wurden Tiefboxen mit Liegeboxenabtrennungen der Firma Kristen installiert. Diese Art der Liegeboxengestaltung ist zwar arbeitsaufwendiger in der Pflege, vor allem im Roboterstall, verglichen mit Hochboxen, aber der TopKuhkomfort macht den erhöhten Aufwand bezahlt.

Drei Melkroboter für die laktierenden Kühe

Die laktierenden Kühe werden von drei Lely Astronaut A4 Melkrobotern gemolken. Der Liegeboxenbereich ist dreifach unterteilt. Direkt an den Strohbereich angrenzend befindet sich auf der einen Seite des Futtertisches die frischlaktierende Gruppe. Hier bleiben die Tiere solange, bis sie nach dem Kalben stabil im Stoffwechsel sind. Auf der gegenüberliegenden Futtertischseite befindet sich eine kleine Gruppe altmelkender Tiere. Beide Gruppen besuchen denselben Melkroboter und werden immer wieder automatisch in die korrekte Gruppe zurückgeleitet. Der restliche Teil des Liegeboxenbereiches ist für die große Gruppe der laktierenden Kühe vorgesehen.

Diese Tiere stehen in einer großen Gruppe zusammen und haben zwei Melkroboter zur Verfügung. Jede laktierende Kuh kann automatisch aus dem Stall über jeden der drei Roboter in den vorhandenen kleinen Separationsbereich geleitet werden.

Die Wege für den Menschen sind kurz und für die Tiere stressfrei. Am anderen Stallende ist das automatische Fütterungssystem Lely Vector mit der Futterküche installiert.

Für jede Gruppe individuelle Futterration möglich

Die großen Vorteile liegen für den Betrieb neben der mehrmals täglichen Vorlage der jeweils frisch gemischten Rationen vor allem auch darin, dass ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand verschiedenste Rationen auch in kleinen Mengen für nur wenige Tiere gefüttert werden können. So werden aktuell fünf Rationen gefüttert. Die Änderung einer Ration erfolgt mit wenigen Mausklicks am PC. Die Änderung der Kuhanzahl in einer Tiergruppe muss nicht beachtet werden, das erkennt das System von selbst. Die automatische Auswertung von zum Beispiel Trockenmasseaufnahme oder Futtereffizienzdaten zusammen mit den Daten aus dem Melkroboter unterstützen beim Betriebscontrolling. Die Energiekosten des Fütterungssystems belaufen sich bei 200 Kühen auf 6 Euro/Tag.

Text und Foto: Kleemann, aus: LW Hessenbauer Nr. 30/2017 – als PDF downloaden